Aus und Vorbei
Krüzungen und Schließungen bei konkreten Hamburger Drogen- und Suchthilfeprojekten

Hamburger Abendblatt, 4.3.2003
TAZ-Hamburg, 1.3.2003
TAZ-Hambugr, 28.2.2003
MoPo, 16.11.2002
Mopo, 14.11.2002
Hamburger Abendblatt, 14.11.2002
TAZ-Hamburg, 14.11.2002

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Hamburger Abendblatt, 4.3.2003

Ambulanz für Süchtige zu
Die Akupunktur-Ambulanz für Drogensüchtige in der Amandastraße ist geschlossen worden. Der Grund ist, laut Verein Palette, fehlendes Geld. Weder Stadt noch Krankenkassen hätten das Projekt finanziell unterstützt. hpyc

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taz, 1.3.2003

Ausgenadelt
Die Suchtakupunktur-Ambulanz der Palette in der Amandastraße muss eingestellt werden. Obwohl jährlich 200 Personen mit Koks-, Crack- und Heroin-Problemen das Angebot in Anspruch genommen haben, ist es allein aus Spenden nicht länger finanzierbar. Die KlientInnen, die sich zurzeit in psychosozialer Betreuung befinden, können in anderen Palette-Einrichtungen die Akupunkturbehandlung fortsetzen.

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taz, 18.2.2003

Eine neue Cognac-Ranch
Der Senat hat den Etat der Zentralambulanz für Betrunkene gekürzt. Nun soll die Feuerwehr die Einrichtung übernehmen.
Am 1. April soll es losgehen. Doch wo und wie, ist noch offen. Fest steht nur: Es sollen keine Ärzte mehr in der ZAB arbeiten
von LENA GORELIK

Die meisten Besucher der Brennerstraße 8 kommen unfreiwillig, sie lallen, torkeln, schlagen um sich, oft werden sie auf Liegen angeschnallt von Polizisten oder Feuerwehrmännern he-reingetragen. In der so genannten "Cognac-Ranch" auf dem Krankenhausgelände in St. Georg werden schwer betrunkene Menschen ausgenüchtert. Nachdem der Senat den Etat der Zentralambulanz für Betrunkene (ZAB) im vorigen Jahr drastisch gekürzt hatte, sah es zunächst so aus, als ob die deutschlandweit einzigartige Einrichtung geschlossen werden würde. Nun ist sie gerettet: Die Feuerwehr übernimmt die ZAB. Doch es ist eine Rettung mit Nebenwirkungen.
Vor zwei Jahren hat die Gesundheitsbehörde noch 610.000 Euro für die Betreuung von etwa 2500 Betrunkenen ausgegeben. Nun will sie die Zuständigkeit an Innenbehörde und Feuerwehr abgeben. Schon ab dem 1. April soll die Feuerwehr Betreiberin der Zentralambulanz sein. Doch die weiß noch nichts Genaues über ihre neue Aufgabe. Und Marc März, Referent von Innensenator Ronald Schill, sagt nur: "Ein Konzept ist noch nicht vorhanden und wird zeitnah erstellt."
Die Feuerwehr soll die Einrichtung mit Rettungssanitätern betreiben, die für den Dienst bei Bränden nicht mehr einsatzfähig sind - weil sie traumatisiert oder zu alt sind. Diese Übernahme, so die Gesundheitsbehörde, soll Geld sparen, und, so die Innenbehörde, die Effizienz steigern. Wie? März verweist auf das Konzept, das es bald geben soll.
Klar ist bis jetzt nur, dass der Standort der "Cognac-Ranch" verlegt werden soll, unklar ist, wohin. Ausnüchterungszellen sollen eventuell in Containern untergebracht, die Öffnungszeiten verkürzt werden. Was mit dem Personal der ZAB - sieben Pflegekräfte - passiert, weiß bislang auch noch niemand. Außerdem wird es vor Ort keinen Arzt mehr geben. Bis dato waren in jeder Schicht zwei Pflegekräfte und ein Arzt zugegen. Nun müssen Betrunkene erst einmal ins Krankenhaus gefahren werden, weil nur ein Arzt die "Verwahrfähigkeit" eines Betrunkenen bescheinigen darf. "Ein Arzt in der ZAB bedeutet, dass man sowohl Geld als auch Zeit spart", kritisiert Jürgen Lamp, Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei, die Pläne.
Zweifelhaft ist auch der Einsatz von Rettungssanitätern zur Ausnüchterung. Michael Fleck, Geschäftsführer von Medicent, einem Ausbilder von Rettungssanitätern: "Sie sind nicht für solche Jobs ausgebildet. Ich halte es für verantwortungslos, dass in der ZAB künftig kein Arzt dabei sein soll." Auch der Gedanke, die Ausnüchterungszellen in Containern unterzubringen, ist nicht unproblematisch. In der Brennerstraße haben die Einzelzellen bruchsicheres Glas. Betrunkene sollen schon Porzellanwaschbecken und Duschköpfe samt Kabel aus Wänden herausgerissen haben.
Auch die Feuerwehrmänner selbst scheinen von der neuen Aufgabe wenig begeistert zu sein: Im Internetforum der Hamburger Feuerwehr beschweren sie sich darüber, nichts von der Übernahme der ZAB gewusst zu haben: "Mal ganz davon abgesehen, dass das nur eine höhere Belastung der Staatskasse (Beamte sind teurer als Angestellte) darstellen würde, hat diese Tätigkeit nichts mehr mit den Aufgabenbereichen der Feuerwehr zu tun!" Ein anderer empört sich: "Was soll die Feuerwehr in der ZAB? Brände löschen???"
Das NDR-Fernsehen zeigt heute um 21.45 Uhr eine Reportage über die ZAB.
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Mopo, 16.11.2002

Aus für Drogenhilfe
Von Renate Pinzke

Sparpläne treffen Beratungsstelle, die Fixerstube ist schon dicht

Die Informationen kommen spärlich oder gar nicht. Fakt ist: In der Suchthilfe soll die Gesundheitsbehörde im kommenden Jahr 800 000 Euro einsparen. Die Drogenhilfe Eimsbüttel - so geistert es über die Flure - hat dabei einen Anteil von 350 000 Euro zu übernehmen. Das wären fast 50 Prozent der Zuwendungen und damit das Aus der Einrichtung, meint der Leiter Gert M. Petersen.
Wie berichtet hat die Einrichtung bereits am vergangenen Donnerstag ihre Fixerstube "Café Drei" geschlossen. Die Behörde hatte das Vorhaben mündlich weitergereicht. Sonst nichts. "Wir hängen in der Luft und hören nur Gerüchte", beschwert sich Petersen. Die Gesundheitsbehörde konnte auf Nachfrage nicht bestätigen, dass es sich um eine Einsparsumme von 350 000 Euro handelt: "Wir stehen mit der Drogenhilfe Eimsbüttel in Verhandlungen", so Sprecher Volker Dumann. "Wir können gar nicht verhandeln, weil wir nichts Genaues wissen, kontert Petersen. Er befürchtet, dass der Senat die Versorgungseinrichtungen in der Suchthilfe unterstützen und die Ausstiegsprojekte wie die Drogenhilfe Eimsbüttel ausbluten wolle.
Sollte die Behörde auf die angepeilte Sparmaßnahme bestehen, wird die Einrichtung am U-Bahnhof Hoheluft voraussichtlich schließen müssen. Die sechs Mitarbeiter betreuen rund 500 Süchtige im Jahr, hinzu kommen 350 so genannte Erstkontakte sowie der Tausch von 120 000 Spritzen und 25 000 Besucher des Cafés. Auch Informationsveranstaltungen für Schulen gehören zum Programm. "Wir werden dieses Angebot nicht aufrechterhalten können und müssen uns überlegen, ob wir nicht schließen. Das wäre eine Katastrophe, denn wir sind die einzige Beratungsstelle hier auf weiter Flur", sagt Petersen.
Natürlich sei man auch in der Drogenhilfe Eimsbüttel bereit zu sparen. Aber mehr als 15 Prozent seien nicht drin, ist der Leiter sicher.

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Mopo, 14.11.2002

»Café Drei« dicht
Fixerstube wird heute geschlossen

Die Drogenhilfe Eimsbüttel e.V. wird heute ihre Fixerstube im "Café Drei" beim U-Bahnhof Hoheluft schließen. Zwischen Verkündung und Vollzug lagen dabei nur drei Tage. Das Kuriose: Die Einrichtung hätte ihre Fixerstube eigentlich erst zum 1. Januar 2003 schließen müssen.
Das "Café Drei" war stets das ungeliebte Kind unter den Hamburger Fixerstuben. Etliche Proteste der Anwohner, Gegenwehr auch vom Betreiber, falscher Standort - hieß es. Und nun muss gespart werden. "Gesundheitssenator Peter Rehaag hat entschieden, dass ein bis zwei solcher Einrichtungen geschlossen werden sollen. Wir haben das Café Drei informiert, weil dort die Frequentierung vergleichsweise gering ist. Wenn die Fixerstube dort so schnell geschlossen wird, muss der Träger das selber verantworten", so Sprecher Volker Dumann.
Der Leiter der Einrichtung, Gert M. Petersen, argumentiert mit Personalfragen. Bislang seien drei Mitarbeiter und acht studentische Aushilfen im "Konsumraum" beschäftigt gewesen. "Aufgrund von Urlaubsansprüchen müssen wir jetzt schon schließen", so Petersen. Zum behördlichen Vorgehen, meint der Leiter: "Die Behörde hat alles nebulös und dunkel gehalten. Niemand wollte entscheiden. Und wir mussten nun handeln", so die etwas verquere Darstellung.
Auch das Café der Drogenhilfe Eimsbüttel wird betroffen sein. Künftig wird es dort kein Essen mehr geben. Das Café wird zum Warteraum für diejenigen, die die Beratungsstelle aufsuchen. (pin)

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Hamburger Abendblatt, 14.11.2002

Fixerraum wird geschlossen

Der Verein Drogenhilfe Eimsbüttel schließt heute seinen Fixerraum in der Einrichtung Café 3 am U-Bahnhof Hoheluftbrücke. "Auf Grund der Sparmaßnahmen seitens der Behörde für Umwelt und Gesundheit sind wir gezwungen, unseren Gesundheitsraum zu schließen", heißt es in einem internen Schreiben. Der Fixerraum war 1998 im Zuge des "dezentralen
Konzeptes", das die Junkies vom Hauptbahnhof abziehen sollte, eingerichtet worden. kst

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taz, 14.11.2002

Druckraum dicht
Der Gesundheitsraum des "Café Drei" in Eimsbüttel bleibt ab heute zu. Die Drogenhilfe Eimsbüttel sieht sich aufgrund der Sparmaßnahmen der Gesundheitsbehörde gezwungen, die Fixerstube am Kaiser-Friedrich-Ufer zu schließen. Wenn im kommenden Jahr, wie von der Behörde avisiert, zudem der Fixstern am Schulterblatt ersatzlos geschlossen wird, wird es im Großraum Altona/Schanzenviertel/Eimsbüttel keinen Gesundheitsraum mehr geben.